herzlos und Flügel 1

Als er am Morgen erwachte, sah er sich unverhofft in die brenzlige Situation versetzt, in einem vollgestopften Kellerzimmer nach seiner Kleidung suchen zu müssen, ohne dabei ein noch schlafendes Mädchen auf der Ausziehcouch zu wecken. Dieser Herausforderung sah er sich zu so früher Stunde jedoch noch keineswegs gewachsen und beschloss, erst einmal neben ihr liegen zu bleiben, als er bemerkte, dass auch sie nackt war, auch wenn die Träumerin mit aller Macht versuchte, ihren Körper unter der heißen Decke zu verstecken. Das Kühl der Nacht hatte ihr eine Gänsehaut auf den sichtbaren Unterarm gezeichnet und außer ihrem Kopf oberhalb der Nasenflügel war das auch das einzig sichtbare von ihr. Einzig sein nacktes Bein, das ihren Körper streifte, verriet ihm, dass auch sie tatsächlich nicht einmal Unterwäsche trug und ließ ihn in den Geschehnissen der letzten Nacht baden. Sanft streichelte er ihren Rücken, ihren Po und die Schenkel. Wie Fußabdrücke die sich durch die Wellen am Strand immer tiefer in den Sand graben, drückten sich Eindrücke aus der Zeit nach dem Konzert des Vorabends in seinen Kopf. Immer nur in kleinen Schüben, immer nur, wenn er sie atmen hörte. Wie er schließlich zu ihr gekommen war, wusste er nicht, aber er war sich mit jeder Fasern seines Körpers bewusst, dass er noch ein Weilchen bei ihr bleiben musste. Während er diese Feststellung machte, betrachtete er weiterhin ihre dunkelbraunen Locken verblüfft, denn gestern noch, war ihr Haar vollkommen glatt gewesen. Ihre langen Wimpern umspielten die Lieder und kleine, aber keineswegs schmale Lippen schienen unaufhörlich etwas zu mampfen, das stark nach Luft und unruhigen aber schönen Träumen aussah. Ihre gesamte Schönheit, sowohl die, die er sah, als auch die, die er ertastete führten jedoch dazu, dass sie ihm zu gut gefiel, um sie noch länger nur leicht zu berühren und wegen seines Verlangens beschloss er, sich auf den Weg nach Hause zu machen.

Ein nicht gerade kleines Problem bei diesem Vorhaben war jedoch, dass das Mädchen mit dem Kopf auf seiner Short lag und fleißig in sie hinein sabberte. Da ihn das bisschen Flüssigkeit jedoch keineswegs störte, versuchte er nun mit ruhiger Hand und viel gutem Willen, ihre Backe vom Eingriff zu heben. Ganz heiß war sie, und weich, und überzogen von ihrer milchgeschmeidigen Haut. Immer schneller wehte ihr Atem über sein Handgelenk und als schließlich ihr Mundwinkel zu zucken begann, musste er sich zusammenreißen, ihren Kopf nicht augenblicklich ruterfallen zu lassen. Statt dessen bettete er ihn wieder sanft auf seine Unterwäsche und als sie sich wieder beruhigt hatte und nicht mehr zu fürchten hatte, sie sofort aufzuwecken, pustete er ihr eine besonders feine Locke aus dem Gesicht, die sich um ihre Nase gekräuselt hatte. Allerdings befanden sich nur zwei tragbare Dinge, nämlich ein bereits benutztes Kondom sowie eine laufmaschenübersähte Strumpfhose, in seiner Nähe. Die beiden erzählten die selbe Geschichte, die er nun schon zu kennen glaubte und beide waren bei dem Vorhaben seine Blöße zu bedecken mehr oder minder nutzlos. Eine geringelte Socke war das einzige, was er trug, und selbst die ließ zu wünschen übrig, die große Zehe, fröhlich in der Freiheit winken. So bekleidet sah er sich noch einmal im Raum um, entdeckte schließlich einen Papierkorb, in dem sich sein verschwitztes T-Shirt mit einigen Fotografien tummelte. Erst jetzt bemerkte er, wo er sich genau befand. Das ausgediente Kinderzimmer, das er zuerst hinter der Geschichte des Kellergewölbes vermutet hatte, das jetzt nunmal eine junge Frau bwohnte, war nur Fassade. Es befanden sich keine Poster an der Wand, kein Schminktüschchen neben dem Schrank und auch Kleidung lag nicht verstreut auf dem Boden, sondern auf einem ordentlich aufgehäuften Berg in der hintersten Ecke. Statt des erwarteten Chaos entdeckte er bei genauerer Betrachtung ein Zimmer, das vollgestopft war mit Fotografien jeder Art, angefüllt mit Kameras. Der Boden, ein von Bildern übersähter Teppich. Die Wände, ein Zelt in schwarz weiß. Lachende Kinder, Wälder, Flüsse, Straßenbahnen. Über dem Türstock eine Reihe von  die allesamt ein Musikfestival dokumentierten, allerdings, nicht Bierleichen und Weltstars zeigten, sondern die Menge aus jeder erdenklichen Perspektive. Das einzige Regal im Raum, eine Lagerstätte für Spiegelreflexkameras, das unterste Abteil ein Friedhof der Filmrollen. Nur wenige Dinge hier hätte der Durchschnittsjugendliche als normal bezeichnet und gerade das faszinierte ihn an ihr. Besonders eine Polaroidkamera gewann seine Aufmerksamkeit. Er drehte sich im Kreis und hielt alles was er sah fest. Für sich in Gedanken, und für sie in Bildern, denn er dachte, sie hätte das alles womöglich noch nie gesehen. So drapierte er also gerade das Resultat seiner Entdeckungsreise um ihren kleinen Körper, als er plötzlich von Oben Stimmen hörte. Langsam und geräuschlos schlich er zur Türe.

9.11.09 19:50

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Julia / Website (10.11.09 18:14)
Du hattest recht, es gefällt mir sehr. Ich mag sie.
Kuss

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