schnuckipupsis

Gerade zwei Stunden lang von einer Steckdose im Zug geträumt und gesucht, bis eine unglaublich laute Frau mir den nützlichen Hinweis nicht auf die Nase gebunden, sondern auf die Ohren geschmettert hat.

Jetzt geht der Laptop wieder und ich sitze hier, wie ein Business-Fatzke und hacke in die Maschine rein, was alles für mich wichtig und dringend und sofort zu erledigen, oder aber nur sehr hübsch am Desktop anzuschauen ist. Und kaum zu glauben: Beschäftigt man sich erst mal mit so einem Gerät, findet man auch ganz  leicht, die Notizzettelfunktion, die den Papierwust auf dem Schreibtisch in Windeseile vernichten könnte. Hab das Projekt gleich mal in Angriff genommen und gemerkt, dass man mir keinen neuen Platz zum Rummüllen überlassen sollte, wenn man den eigentlich gerne ordentlich und sortiert wiederbekommen würde. Jetzt zieren gelbe Spicker den Bildschirm auf denen Dinge sthen, von denen Businesstypen nur träumen können: „Schnuckipupsis ausmerzen“ .

Jawohl, richtig gelesen. Diese sogenannten „Schnuckipupsis“, die süßesten, die unschuldigsten, die rosasten und allgemein die in Zuckerwatte gepacktesten aller Mädchen, sie gehen mir auf den Sack. Das ist kein übertriebenes Machotum, keine hochstilisierte Frauenfeindlichkeit, sondern das einfach und bloße verlangen nach einer Welt ohne „i“, „chen“ oder „lein“ mit Ausnahme von Babybezeichnungen. Was bei einer Einjährigen einigermaßen angemessen erscheint, außer sie bricht oder schreit bereits schon stundenlang, ist bei einem Mann mittleren Alters, mit zierlichem Bierbauch unter den steroidgeförderten Brustmuskeln nicht nur unpassend sondern tatsächlich blanker Hohn. Denn, liebe Schnuckipupsis, so leid es mir tut: er ist nun mal kein „Knuddelbärchen“! Besonders nicht vor seinen Arbeitskollegen, die eigentlich gerade mit ihm ein Bier zischen wollten, weil er so unglaublich männlich war. So lange, bis ihr gekommen seid und ihn gechent habt.

Aber auch eure beste Freundin ist kein „Schatzilein“. Das solltet ihr langsam einsehen. Die fiese Kuh ist nicht nur drahtig und sehnig wie ein Windhund, der leider Gottes aber ein Pferdegebiss hat, sondern, sondern tratscht obendrein auch noch alles aus was ihr erzählt. Wusstet ihr schon, dass die Lisa aus dem anderen Kurs, die mit den braunen Strähnen gestern von der Jana – ohne Scheiß! Von der Jana!! – gehört hat, dass euer Schatzilein ihr von eurem Ausrütscherchen mit diesem leckeren Kerl im Club berichtet hat, von dem „doch niemand jemals was erfahren wird, nicht war Schatzilein?“? UPS.

Nichts gegen Verkleinerung an sich. Aber eben nur bei kleinen Sachen. Gut, ok, dann ist es nun mal ein Büchlein, geht klar. Und auch Das Kästchen ist mit Sicherheit annehmbar, aber ein Autöchen? Hallo?! Das ist nichtmehr nur fragwürdige Grammatik, das grenzt an germanistische Vergewaltigung und solche Untaten kann doch kein mitfühlender Mensch begehen, erst recht nicht, wenn er doch angeblich so süß und rosa und unschuldig und in Zuckerwatte gewickelt ist, wie ihr es seid.

Also tut mir den Gefallen: Schaut euch die Dinge zuerst richtig an. Sind sie denn tatsächlich so klein? Steckt hinter der Person nicht in Wirklichkeit vielleicht ein kaltblütiger Serienmörder und zumindest Pedant? Und wenn ihr euch für ein kleines linguistisches Trickchen entscheidet, dann doch bitte aber ohne diese elendlange falsche Betonung und den unnötigen Schwenker der Stimmlage in bisher ungeahnte und für das menschliche Gehör unerträgliche Höhen….ich bitte euch instöndig, meine Schnuckipupsis….bitte….

13.1.11 00:24

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(16.1.11 20:40)
hannes.
ich liebe dich.
schon immer.

ich liebe dich.


Julia / Website (25.1.11 01:19)
Wow.

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