der junge Held

helle töne zerreißen seine bauchdecke, seinen wams, erfassen seine innereien, die gehörsam das herz brechen. glibberig liegt es im matsch umgeben von einer gelbglühenden flüssigkeit. "Mein Glück" wimmert von fern der mund "mein Glück" und die augen brechen in tränen aus. Der Gesang geht weiter und die Ohren beugen sich seiner tyrannischen macht, lauschen so angestrengt dem vor langer zeit verklungenen lied, dass die anderen sinne den geist versagen. plötzlich war es wieder in der welt. vor jahren war es verstoßen worden, in einer traurigen zeit, die der ersten epoche des glücks gewichen war. doch nun, als alles noch schlimmer schien, nicht drachen das reich bedrohten, sondern hungrige, fiebernde hexenfresser, da war es wieder da und brach sein glück aus ihm raus. seine waffen lagen längst gestreckt auf dem boden. mit der ganzen wucht eines perfekten akkordes erschlug ihn das lied nicht hinterrücks, sondern frontal, mitten in die fresse. natürlich könnte man das ehrlich nennen und fair, aber fakt ist, dass er bereits halb besinnungslos auf der erde kauerte, dreck und hundekot im mund, röchelnd und schwitzend nur wenige meter vom brunnen entfernt aus dem er das vergiftete wasser gesogen hatte. wasser mit dem er seine kamelhöcker hatte füllen wollen in trübseliger erwartung der nächsten trockenperiode. es schlug ihm in die fresse. raubte ihm den verstand und den linken oberen schneidezahn. von ihm aus gesehen. und nun quoll sein blut, sein glück, sein herz auf den trampelpfad und das lied lachte. schallend und gerissen. schließlich sah es wie ein paar schwarze brocken pech das gelb verunstalteten und schnaufte gereizt, beinahe wütend. es packte das gelb, das herz, und schaufelte es in eine plastiktüte, warf sie über die schulter und stapfte von dannen. stunden später, brachen noch immer klumpen aus seinem körper. klumpen für klumpen, rieselnder teersand, eine sanduhr. eine lebendige sanduhr, oder ein sandkasten und das ganze ohne dass irgendein kind in der nähe wäre, um ihn auszunutzen. er muste lachen. da kugte das lied hinter einem baum hervor. zufrieden spühlte es seine wunde, schlug das schwarz aus seinem körper, verdrosch ihn in jeder nur denkbaren pose und genoss die blutergüsse. jetzt erst setzte es sein herz zurück an den ihn angestammten platz und schüttete das gelbe glück darüber. als die augen des knappen sich wieder erhellten, blickte er in das angesicht eines alten freundes, ein minnelied der alten zeit, in der es schön war, in der er lachen und feiern konnte, in der er nicht nur hexenfresser besiegte, sondern auch drachen und ratten fraß, die so fett waren wie kleine schweine. er lachte, dankte dem freund und sagte ihm lebewohl, um seine höcker zu füllen

9.2.11 01:31

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(6.3.11 18:30)
wunderschön.. unglaubliches Talent!


(12.3.11 21:53)
mehr als nur unglaubliches talentt. du kannst wirklich unglaublich schön schreiben knödel...
mir gehts genauso... wieso nur? nur das mir der freund fehlt... weil ich dich nicht mehr hab.
es tut mir so wahnsinnig leid... alles.
ich lebe nicht ohne dich.


(16.3.11 20:01)
Lieber Hannes, bitte schreibe ein Buch!
M.

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